„Standort Berlin – Was bringt ein Umzug an die Spree?“
Welche Chancen bieten sich? Welche Risiken bestehen?Welche Probleme können auftreten?
DVT-Geschäftsführerseminar 2007

Referenten und Teilnehmer des Geschäftsführerseminars 2007
Am 20. März kamen Vertreterinnen und Vertreter der DVT-Mitgliedsvereine zu einem Kamingespräch in locker-entspannter Atmosphäre im Restaurants „cum laude“ in Berlin-Mitte zusammen. In kurz gehaltenen Redebeiträgen stellten zunächst drei Vereinsmanager dar, wie sie den Umzug nach Berlin in ihren Organisationen gemeistert haben. Im Mittelpunkt standen die Fragen, für wen sich ein kompletter Umzug lohnt, welche alternativen Möglichkeiten sich anbieten und welche Chancen bzw. Herausforderungen sich aus den Entscheidungen der Leitungsebenen für die Mitarbeiter und die Logistik der Organisationen ergeben.
Peter Hahn, Geschäftsführer des Deutschen Brauerbundes (DBB), berichtete über die Entscheidung seines Präsidiums, den Sitz der Geschäftsstelle nach Berlin zu verlegen, die zugrunde liegenden Überlegungen und die Ziele des Umzugs. Für den DBB stand bei der Entscheidung nach Berlin zu gehen, die Überlegung im Vordergrund, direkt am Ort der politischen Entscheider, der Bundesministerien und Behörden zu sein, die für die von der Organisation vertretenen Gruppierungen entscheidend sind. Problematisch war für Hahn vor allem die Mitarbeitermotivation bei der Verlagerung des Standortes. Die notwendigen personellen Umstrukturierungen machten Überlegungen zu finanziellen und arbeitsrechtlichen Konsequenzen notwendig. Das angestrebte Ziel der politischen Präsenz hat für ihn aber letztendlich die Schwierigkeiten und Kosten aufgewogen, die durch die personellen Umschichtungen entstanden sind. Hahn wies abschließend darauf hin, dass man einen Umzug zeitlich besonders gut planen und auf jeden Fall eine Eingewöhnungsphase vorsehen müsse, denn bis der Betrieb der Geschäftsstelle wieder reibungslos und effizient funktioniere, dauere es häufig länger als es den Vereinsführungen lieb sei. (Eine Zusammenstellung der Kernpunkte seiner Darstellung zu den personellen Überlegungen können Sie in Papierform beim DVT anfordern.)
Zweiter Referent des Abends war der Geschäftsführer des VdTÜV, Dr. Klaus Brüggemann. Der VdTÜV ist erst 2005 komplett nach Berlin umgezogen, war aber bereits vorher mit einem Teil seiner Mitarbeiter in Berlin vertreten. Bei der Überlegung, ganz nach Berlin umzuziehen, spielte wiederum die Überlegung der politischen Präsenz eine erhebliche Rolle. Der VdTÜV konnte den Umzug vor allem deshalb problemlos bewältigen, weil die Gremienarbeit überwiegend nicht von einem festen Mitarbeiterstab, sondern von einer relativ mobilen Gruppe berufener Gutachter erledigt wird. Parallel nutzte der VdTÜV den Umzug, um sich von 100 auf nur noch 20 Mitarbeiter zu verschlanken. Damit einher ging auch eine komplette Umstrukturierung der Infrastruktur und Datenverwaltung des Vereins. Auf die Frage, wer die Treiber und Verhinderer der Umzugspläne waren, gab es vom Referenten eine eindeutige Antwort: der Umzug wurde von oben, von der Vereinsführung angestrebt, sie war der Treiber. Mit den meisten ausscheidenden Mitarbeitern konnten Regelungen im gegenseitigen Einvernehmen erreicht werden, für die restlichen focht der Betriebsrat lange Kämpfe und wirkte damit aus Sicht der Organisation, die einen schnellen Umzug forcierte, eher als Verhinderer.
Wie Klaus Siebertz, Leiter des VDI-Büros Berlin, darstellte, hat sich der VDI - anders als DBB und VdTÜV - bewusst gegen einen kompletten Umzug und für ein Hauptstadtbüro mit einem kleinen Mitarbeiterstab entschieden. Daneben betreibt der VDI noch ein Büro in Brüssel, um die Entwicklungen auf europäischer Ebene direkt verfolgen zu können. Herr Siebertz führte aus, dass es für eine eher wie ein mittelständisches Unternehmen organisierte Vereinigung wie den VDI allein schon aus finanzieller Hinsicht nicht in Frage gekommen sei, den Sitz komplett nach Berlin zu verlegen. Für den VDI als Interessenvertreter und Ansprechpartner sei zudem die Nähe zu seinen persönlichen Mitgliedern entscheidend. Eine Analyse der Mitgliederstruktur zeigte ferner eine deutliche Orientierung und Konzentration der Mitglieder auf das Einzugsgebiet des traditionellen Standortes Düsseldorf. Um aber dennoch am Ort des politischen Geschehens vertreten zu sein und dort intensiv Kontakte pflegen zu können, wurde ein kleines, permanent besetztes Büro in Berlin eingerichtet. Damit konnte die Funktion als Ansprechpartner für die Politik ausgebaut werden. (Handout >>)
Das anschließende Gespräch beim Essen zeigte zum einen deutlich, dass Institutionen, die den Umzug nach oder die Eröffnung einer Präsenz in Berlin durchgeführt haben, diese Entscheidung im Ergebnis durchweg positiv sehen. Es wurde aber auch deutlich, dass es notwendig ist, ein genaues Konzept der finanziellen, personellen und infrastrukturellen Konsequenzen zu erstellen. Die Teilnehmer waren sich einig, das es von diesen Faktoren und der zukünftigen Ausrichtung der Organisation abhängig ist, ob ein Umzug nach Berlin sinnvoll und durchführbar sein kann und in welcher Weise dieser gestaltet werden sollte. Als Fazit nahmen die Anwesenden mit, dass immer eine intensive Analyse der Bedürfnisse des Verbandes einer so weit reichenden und zeitaufwendigen Entscheidung vorausgehen muss. In dieser Hinsicht empfanden die Teilnehmer des Abends den Erfahrungsaustausch mit Vereinen, die diesen Schritt getan haben, als sehr gewinnbringend für die Diskussion im eigenen Kontext.


