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Mitwirkung in den Organisationen der Wissenschaft und Forschung

Die Förderung der Forschung auf allen Gebieten der technischen Wissenschaften war wichtigstes Thema der ersten Zusammenkunft der Mitgliedvereine 1949 in Wiesbaden. Dem Vorstand und der Geschäftsführung wurde bereits damals der Auftrag erteilt, eine fruchtbare Zusammenarbeit mit allen der Forschungsförderung dienenden Einrichtungen anzustreben.
 
Im April 1949 wurde der DVT als Mitglied in die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft aufgenommen, einer Vereinigung, die schon nach dem Ersten Weltkrieg Hervorragendes zum Wiederaufbau der Forschung geleistet hatte.
 
Dem DVT war besonders daran gelegen, der sogenannten angewandten Forschung und der technischen Entwicklung den gebührenden Platz neben der Grundlagenforschung zu sichern. Verhandlungen mit dem Deutschen Forschungsrat, der sich unabhängig neben der Notgemeinschaft gebildet hatte und die Gesamtvertretung in allen Angelegenheiten der Forschung beanspruchte, hatten das gleiche Ziel. Vorschläge wurden unterbreitet, was nach Ansicht des DVT zur Verbesserung der angewandten Forschung in ihrer Struktur und Ausstattung geschehen sollte. Die Erschließung finanzieller Mittel erschien vordringlich. Bereits in den zwanziger Jahren war der alten Notgemeinschaft der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft angegliedert, dem auch schon der frühere Verband angehört hatte.
 
Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft wurde unter Mitwirkung des DVT wieder ins Leben gerufen und gehört ihm als Mitglied an. Der Stifterverband führt seine Aufgabe als Gemeinschaft der gewerblichen Wirtschaft zur Förderung wissenschaftlicher Forschung, Lehre und Ausbildung durch Bereitstellung zusätzlicher Mittel fort. Sein Ziel ist es zugleich, eine breite Öffentlichkeit auf den Stand und die Entwicklung des wissenschaftlichen Lebens in Deutschland hinzuweisen. Der Vorsitzende des DVT und mehrere von seinem Vorstand vorgeschlagenen Mitglieder technisch-wissenschaftlicher Vereine gehören dem Kuratorium des Stifterverbandes an. Unter dem Leitwort „Wirtschaft und Wissenschaft — Partner im Fortschritt“ wurde der Stifterverband zu einer Art Clearingstelle beider in ihrem Wissen voneinander und ihrem Wirken füreinander. Auch in dem „Gesprächskreis Wissenschaft-Wirtschaft“, den der Stifterverband, der Bundesverband der Deutschen Industrie und der Deutsche Industrie- und Handelstag zur Begegnung zwischen Wissenschaft und Wirtschaft ins Leben gerufen haben, wirken der DVT und einige seiner Mitgliedvereine mit.
 
Die Gründung des Wissenschaftsrates durch ein Verwaltungsabkommen zwischen der Bundesregierung und den Regierungen der Länder im Jahre 1957 geht nicht zuletzt mit auf Erörterungen zwischen Vertretern des DVT und der Deutschen Forschungsgemeinschaft zurück und entspricht den Forderungen, die der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft in einem Vortrag auf der Jahresversammlung 1957 des DVT als Thesen aufgestellt hatte. In den Wissenschaftsrat entsenden der Bund sechs, die Länder je einen Vertreter. Der Bundespräsident beruft 16 wissenschaftliche Mitglieder aus einer gemeinsamen Vorschlagsliste der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Westdeutschen Rektorenkonferenz sowie auf Vorschlag des Bundes und der Länder sechs Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Aufgabe des Wissenschaftsrates ist es, einen Gesamtplan für die Förderung der Wissenschaften zu erarbeiten und hierbei die Pläne des Bundes und der Länder aufeinander abzustimmen sowie die Schwerpunkte und Dringlichkeiten straffer zu bezeichnen. Bei den Empfehlungen des Wissenschaftsrates zum Ausbau der wissenschaftlichen Einrichtungen haben Mitglieder des DVT-Vorstandes mitgewirkt und die Vorstellungen der Natur- und Technikwissenschaften in die Planung eingebracht.
 
Der DVT hat sich jahrelang darum bemüht, dass zur Förderung der natur- und technikwissenschaftlichen Forschung im staatlichen Bereich entsprechende Institutionen geschaffen werden. Im Rahmen eines Bundesministeriums, das die erforderlichen Zuständigkeiten und haushaltrechtlichen Möglichkeiten besitzt, sollten die Erfahrungen der bestehenden Einrichtungen und Organisationen der Bundesund Länderressorts genutzt und koordiniert werden.
Diese Bestrebungen kamen zum Erfolg, als 1956 das Bundesministerium für Atomenergie — vorübergehend auch für Wasserwirtschaft — errichtet wurde. 1962 wurde es in das Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung und 1970 in das Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft umgewandelt. Die Kompetenzen dieses Ministeriums wurden auch auf die technische Entwicklung, die vor der wirtschaftlichen Nutzung liegt, in der Erkenntnis ausgedehnt, dass die Industrie bei technischen Entwicklungen, die von Bedeutung für die Allgemeinheit sein könnten oder über den Rahmen von Herstellungsprogrammen hinausgehen, darauf angewiesen ist, die Unterstützung der öffentlichen Hand zu suchen.
 
Bei seiner Mitwirkung in der Notgemeinschaft, dem Deutschen Forschungsrat und dem Stifterverband hatte schon der frühere Verband nie übersehen, dass die ideelle und praktische Einheit der deutschen Forschung auch in der Einheit ihrer Organisation Ausdruck finden müsste. Der Plan, einen technisch-industriellen Forschungsrat zu bilden, wurde aber damals bewusst aufgegeben, um die Vielfalt der Einrichtungen auf dem Gebiet der Forschungsförderung nicht durch eine zusätzliche Gründung zu erweitern.
 
Zur Beratung des Vorstandes des DVT wurde vorübergehend aus je zwei Sachverständigen von Mitgliedvereinen ein Gremium für die Fragen der Forschung gebildet. Den auf eine organisatorische Zusammenfassung gerichteten Bestrebungen blieb der Erfolg nicht versagt. Durch Vermittlung des Stifterverbandes wurde im Mai 1951 die Satzung für eine die Notgemeinschaft und den Forschungsrat umfassende Selbstverwaltungskörperschaft der deutschen Wissenschaft angenommen und die Deutsche Forschungsgemeinschaft gebildet, zu deren Mitgliedern auch der DVT gehört.
 
Die zahlreichen anerkannten Forscher und Gelehrten, die der DVT und seine Mitgliedvereine der Notgemeinschaft zur Mitarbeit benannt hatten, setzen nunmehr ihre Arbeiten in den Ausschüssen der Deutschen Forschungsgemeinschaft fort. Ihr Ausschuss für Angewandte Forschung, der auch den Zielen des DVT entspricht, hat inzwischen für viele Gebiete der Technik Bestandsaufnahmen der für die Forschung zur Verfügung stehenden Einrichtungen und Möglichkeiten gemacht. Vorsitzende dieses Ausschusses waren zeitweise auch Mitglied des Vorstandes des DVT.
 
Neben der Sorge um den Ausbau der Forschungseinrichtungen stellte sich der DVT die Aufgabe, die Industrie mit Möglichkeiten der Vertragsforschung bekannt zu machen. Anregungen aus Kreisen der Wirtschaft gingen in die gleiche Richtung. So entstand die Vermittlungsstelle für Vertragsforschung, an deren Errichtung der DVT zusammen mit dem Stifterverband, der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Bundesverband der Deutschen Industrie maßgeblichen Anteil hatte. Sie sollte die Vermittlung der zwischen der an zweckgerichteter wissenschaftlicher Forschung interessierten Industrie und den zur Leistung solcher Arbeiten geeigneten Instituten übernehmen. Besonders bei mittleren und kleinen Industriebetrieben, die sich betriebseigene Laboratorien für Forschung nicht leisten können, wurde die Vermittlungsstelle begrüßt.
 
Der besseren Verbindung zwischen Forschung und Wirtschaft widmet sich auch die Arbeitsgemeinschaft Industrieller Forschungsvereinigungen (AIF) , in der sich viele in der Bundesrepublik bestehende Forschungsvereinigungen zusammengeschlossen haben. Sie fördert in allen Wirtschaftszweigen die Gemeinschaftsarbeit auf dem Gebiet der angewandten Forschung, deren Ergebnisse allen einschlägigen Industrieunternehmen zugänglich sind. Auch hier ist es in erster Linie die Mittel- und Kleinindustrie, die aus dieser Einrichtung Nutzen zieht. Viele Mitgliedvereine des DVT unterstützen die auf Selbsthilfe bedachte Organisation, die bislang nebeneinanderlaufende Bemühungen zusammenfasst. Der DVT gehört der AIF als außerordentliches Mitglied an.
 
Die Mitwirkung des DVT in Organisationen der Wissenschaft und Forschung war erfolgreich. Die vorliegenden eigenen Erfahrungen der auf ihren Arbeitsgebieten führenden Mitgliedvereine und die ihnen nahestehenden wissenschaftlichen Kräfte konnten dabei in den Dienst der Sache gestellt werden, wodurch sich die Zusammenarbeit von Jahr zu Jahr verbesserte. Insbesondere beim Stifterverband und bei der Forschungsgemeinschaft fanden die Bestrebungen des DVT stets Verständnis und entgegenkommende Förderung.
 
Die Bestrebungen des DVT, alle Maßnahmen und Möglichkeiten zur Förderung von Wissenschaft und Forschung zu unterstützen, haben in der Zeit 1960 bis 1971 zu einer Reihe von Memoranden, Entschließungen und Empfehlungen des DVT geführt, die zum Teil gemeinsam mit dem Gemeinschaftsausschuss der Technik (GdT) gefasst worden sind.
 
Die wichtigsten Themen waren:
  • Angewandte Forschung in der Bundesrepublik Deutschland (Erklärung zur Errichtung einer politischen Instanz für Wissenschaft und Forschung Juli 1960)
  • Errichtung eines Deutschen Instituts für Dokumentationswesen (Entschließung DVT und GdT 1960)
  • Förderung der Natur- und Ingenieurwissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland (Entschließung Februar 1961)
  • Notwendigkeit staatspolitischer Maßnahmen zur Förderung von Wissenschaft und Forschung auf Bundesebene (Gutachten Oktober 1961)
  • Bedeutung der Naturwissenschaften für den Unterricht auf der Oberstufe der Gymnasien (Erklärung November 1962)
  • Gründung eines Instituts für naturwissenschaftlichen Unterricht (Memorandum Mai 1964)
  • Bildung einer zentralen Instanz zur Förderung von Forschung und Technik in der Bundesrepublik Deutschland (Entschließung DVT und GdT Juli 1964)
  • Schaffung eines Nationalfonds für Wissenschaft und Forschung (Entschließung GdT und DVT Januar 1965)
  • Mitwirkung von Angehörigen der naturwissenschaftlichen und technischen Berufe in den politischen Parteien im Bundestag und in den Landtagen (Entschließung Februar 1965)
  • Förderungsmaßnahmen zur technischen Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland (Vorschläge Juni 1965)
  • Aufgaben technischer Gemeinschaftsarbeit (Stellungnahme des Vorsitzenden des DVT, Professor Dr.-Ing. S. Balke, zum fünfzigjährigen Bestehen des DVT 1966)
  • Die Regeln der Technik in der Rechtsordnung (Empfehlung zu einer Entschließung des GdT Dezember 1966)
  • Einführung einer Sonderregelung für den Wehrdienst von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren in der Bundeswehr (Empfehlung Januar 1967)
  • Natur- und Ingenieurwissenschaften als Faktoren der Politik (Entschließung Januar 1967)
  • Naturwissenschaften und Technik in den allgemeinbildenden Schulen (Erklärung Juli 1967)
  • Zum Lehrerförderungsprogramm Naturwissenschaften/Mathematik der Stiftung Volkswagenwerk (Erklärung Mai 1968)
  • Staatspolitische Aufgaben im Bereich naturwissenschaftlich-technischer Bildung (Empfehlung Juli 1968)
  • Zu den Richtlinien-Vorentwürfen der Dienststellen der Kommission der Europäischen Gemeinschaften zur Festsetzung der Einzelheiten für die Verwirklichung der Niederlassungsfreiheit und des freien Dienstleistungsverkehrs für selbständige Tätigkeiten der Forschung, der Gestaltung, der Beratung und der Anwendung auf technischem Gebiet (Memorandum DVT, Deutsche Kommission für Ingenieurausbildung, GdT und Verein Beratender Ingenieure (VBI) 1. August 1968)
  • Bildungspolitische Situation des Hochschul- und Schulwesens in der Bundesrepublik Deutschland (Entschließung Januar 1969)
  • Aufbau eines umfassenden deutschen Informations- und Dokumentationswesens für Wissenschaft und Technik (Entschließung DVT und GdT Januar 1969)
  • Die Zukunft der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung (Entschließung Juli 1969)
  • Die Einrichtung eines Clearings für technische Regelwerke (Entschließung DVT und GdT November 1969)
  • Gründung einer Gesellschaft und eines Forschungsinstituts für technisches Sachverständigenwesen vor Gericht und in der Wirtschaft (Entschließung DVT und GdT November 1969)
  • Bedeutung und Berücksichtigung technischer und naturwissenschaftlicher Aufgaben im öffentlichen Dienst (Befürwortung einer Entschließung des GdT November 1969)
  • Gesellschaftliche Aufgaben für die naturwissenschaftlich-technische Entwicklung der Zukunft (Empfehlung des DVT-Vorstandes Februar 1970)
  • Weiterbildung und lebenslanges Lernen in den naturwissenschaftlichen und technischen Berufen (Empfehlung Juli 1970)
  • Die Arbeit der technisch-wissenschaftlichen Vereine auf dem Gebiet der Weiterbildung (Veröffentlichung des DVT als VDI-Information Nr. 26/März 1971)
  • Nichtstaatliche Initiativen zur Förderung von Wissenschaft und Ausbildung (Empfehlung Oktober 1971)
  • Aufbau der Patentdokumentation (Befürwortung einer Entschließung des GdT November 1971)