zur Startseite




Die ersten zehn Jahre von 1916 bis 1926

Schon bald nach der Gründung traten dem Verband die folgenden Vereine bei: Deutscher Verein von Gas- und Wasserfachmännern, Verein Deutscher Straßen- und Kleinbahnverwaltungen, Verein der Zellstoff- und Papierchemiker, Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt, Gesellschaft Deutscher Metallhütten- und Bergleute, Deutsche Bunsengesellschaft, Deutsche Beleuchtungstechnische Gesellschaft.
 
Die zum Verband gehörenden Vereinigungen hatten rund 60.000 Mitglieder. Der Verband galt nunmehr als legitimiert, für die Hauptgebiete der Technik, Architektur, Bauwesen, Eisenhüttenwesen, Maschinenbau, Elektrotechnik und Chemie, zu sprechen.
 
Im November 1916 wurde eine Satzung verabschiedet, die dem Vorstand zur Beratung den Vorstandsrat zur Seite stellte. Dessen Mitglieder wurden teils auf Lebenszeit teils für drei Jahre von den angeschlossenen Vereinen gewählt.
 
Bald wurden auch mehrere Arbeitsausschüsse gebildet. Ein Ausschuss für die Behandlung technisch-statistischer Fragen wirkte an einer Reichsstatistik für wirtschaftliche und berufsständische Bereiche mit. Ein Ausschuss zur Förderung des technischen Büchereiwesens beschäftigte sich mit dem Aufbau von Büchereien an den Technischen Hochschulen und in den Mittelpunkten des technischen Schaffens. Er machte sich die Bildung einer Zentralbücherei zur Aufgabe, in der das technische Schrifttum der Welt gesammelt werden sollte. Ein weiterer Ausschuss für technische Studien befasste sich mit der Sammlung und Auswertung von Unterlagen über die Bildungsstätten des Auslandes. Andere Ausschüsse bearbeiteten Fragen der Stellung des technischen Personals in Heer und Marine.
 
Eine vom Verband errichtete Vermittlungsstelle verbesserte die Beziehungen zwischen den technischen Forschungs- und Untersuchungsstellen der Technischen Hochschulen, Universitäten und anderer Lehrinstitute einerseits und der Industrie andererseits. Ihre Tätigkeit sollte den technischen Wissenschaften mehr Wirksamkeit in der Praxis verschaffen. Zu der Entwicklung des Reichs-Patentamtes nahm der Verband immer wieder mit Eingaben und Gutachten zu Fragen der Organisation und der fachlichen Arbeit Stellung.
 
Ende 1918 hatte der Verband bereits 18 Mitgliedsvereine. Die politischen Umwälzungen nach dem Ersten Weltkrieg warfen neue Fragen auf, zu denen Stellung genommen werden musste. An die verfassunggebenden Körperschaften wurde eine Eingabe zu den gesetzgebenden Befugnissen des Reiches und der Länder auf verschiedenen die Technik angehenden Gebieten gerichtet. Es war dafür Sorge zu tragen, dass für die Forschung, die Ausbildung und das Büchereiwesen ausreichende öffentliche Mittel zur Verfügung stehen. Neue Ausschüsse für die Verbesserung der naturwissenschaftlichen Unterrichtsmittel an den technischen Schulen entstanden. Weiter bearbeitete der Verband Aufgaben der Vereinheitlichung des Verkehrswesens. Auch an der Regelung des Schiedsgerichtswesens wirkte er mit. Die Behandlung der neuen Probleme stärkte seine Geschlossenheit und machte ihn zu einem berufenen Sprecher der technischen Wissenschaften. Seine Arbeit wurde allgemein anerkannt.
 
Mit dem Beitritt der Hafenbautechnischen Gesellschaft in Hamburg und der Vereinigung der Elektrizitätswerke in Berlin wuchs die Mitgliederzahl 1919 auf 20. Zwei wichtige Aufgaben traten in den Vordergrund. In Verbindung mit den Spitzenverbänden des Handels und der Industrie wurde der Deutsche technisch-wissenschaftliche Verkehrsausschuss als Beirat des Reichsverkehrsministeriums gebildet. Seine Aufgabe war die Mitwirkung bei der Neuordnung des Verkehrswesens. Die Arbeiten auf dem Gebiet des Schiedsgerichtswesens fanden mit der Bildung des Deutschen Ausschusses für das Schiedsgerichtswesen einen vorläufigen Abschluss. Neben diesen mehr auf Dauer ausgerichteten Vorhaben nahm der Verband zu einzelnen gesetzgeberischen Maßnahmen wie der Platinbeschaffung für wissenschaftliche Instrumente, der steuerlichen Behandlung gemeinnütziger Vereine und anderen der jeweiligen Situation entspringenden Fragen Stellung. Auch die Zusammensetzung des dem Parlament angegliederten Vorläufigen Reichswirtschaftsrates zur Mitwirkung bei Entschließungen wirtschaftspolitischer Art war Gegenstand von Erörterungen. Eine Eingabe an den Preußischen Landtag sprach sich für die Angliederung der Handelshochschule Berlin an die Technische Hochschule Berlin aus. Zum Gesetz über den Arbeitsnachweis, das die Interessen der technischen Berufe in den vorgelegten Entwürfen nur ungenügend berücksichtigte, wurde ablehnend Stellung genommen.
 
Am 30. Oktober 1920 initiierte der DVT gemeinsam mit den Akademien der Wissenschaften, den Universitäten und Technischen Hochschulen, der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft. Die Gründungssitzung fand in der Preußischen Staatsbibliothek zu Berlin statt.
 
Die Tätigkeit des Verbandes hatte allmählich einen Umfang erreicht, der eine ständige Berichterstattung an die Mitgliedsvereine notwendig machte. Am 5. Oktober 1921 erschien zum ersten Mal die Mittwochausgabe der Zeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure als „VDI-Nachrichten“, die seitdem den Untertitel „Organ des Deutschen Verbandes Technisch-Wissenschaftlicher Vereine“ führen. Der Verband konnte damit seinem Wirken größere Publizität geben.
 
1921 übernahm Professor Dr. Dr.-Ing. E. h. Klingenberg den Vorsitz. Die Geschäftsführung ging auf Dr. Thiele über. Die regelmäßigen Veröffentlichungen geben ein reichhaltiges Bild der Arbeiten des Verbandes. In einer der ersten Ausgaben der VDI-Nachrichten wird mitgeteilt, dass der aus leitenden Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens gebildete „Industrieausschuss“ die geachtete Stellung des Verbandes in der Industrie erhalten und ihm die Erfahrungen der Industrie für seine Arbeit nutzbar machen sollte. Der Ausschuss hat der Verbandsführung wertvolle Anregungen gegeben. Mit seiner Hilfe gelang es, Finanzierungsfragen für die Technisch-Wissenschaftliche Lehrmittelzentrale (TWL) zu lösen und die Zentralstelle für Wärmewirtschaft zu errichten.
 
Um den Produktivitätsrückstand zur USA aufzuholen und den Mittelstand zu fördern, gründeten der Deutsche Verband Technisch-Wissenschaftlicher Vereine und das Reichswirtschaftsministerium gemeinsam mit Unternehmern in Berlin am 10. Juni 1921 das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit in Industrie und Handwerk (heute RKW Berlin-Brandenburg Rationalisierungs- und Innovationszentrum der Deutschen Wirtschaft e.V.). Wesentlichen Anteil an der Gründung hatte damals auch Carl Friedrich von Siemens.
 
Die guten Beziehungen zum Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft wurden durch Erwerb seiner Mitgliedschaft gefestigt. Mit ihm, der als Gemeinschaftsaktion der gewerblichen Wirtschaft seine Aufgabe in der Förderung wissenschaftlicher Forschung, Ausbildung und Lehre sah, pflegte der Verband eine enge und freundschaftliche Zusammenarbeit. Die Verbesserung der Ingenieurausbildung und die zweckmäßige Verwendung der Mittel dafür waren Gegenstand ernster Überlegungen. Ein Aufruf des Verbandes machte auf die schwierige Lage der Staatlichen Höheren Maschinenbauschulen aufmerksam und konnte deren finanzielle Unterstützung durch die zuständigen Stellen erreichen. Gemeinsam mit dem Verband der Deutschen Hochschulen wurde gegen die Errichtung neuer Schulen Stellung genommen. Die beschränkten Mittel sollten zum Ausbau der bestehenden, noch ungenügend ausgestatteten Hochschulen wirksamer verwendet werden. Die Stellungnahme hatte Erfolg. Verschiedene Pläne zum Aufbau neuer Hochschulen für Wirtschaft und Technik wurden damals nicht verwirklicht.
 
Die folgenden Jahre brachten Schwierigkeiten mit sich, denen der Verband und seine Mitgliedsvereine gleichermaßen ausgesetzt waren. Die sich ständig verschlechternden wirtschaftlichen Verhältnisse trafen den Bereich der Technik hart. Die fortschreitende Geldentwertung ließ die finanziellen Rücklagen des Verbandes dahinschmelzen. Für die in Angriff genommenen Arbeiten fehlten die Mittel. 1923 war sogar der Fortbestand des Verbandes gefährdet. Die Geschäftsführung wurde vorübergehend vom VDI wahrgenommen. Erst 1924 besserten sich die Verhältnisse so weit, dass wieder eine eigene Geschäftsstelle mit Dr. Georg Freitag als neuer Geschäftsführer errichtet werden konnte. Trotz aller Hindernisse gelang es, einen Teil der begonnenen Arbeiten fortzuführen und auch neue Themen aufzugreifen. Die Not zwang zur Konzentration der Kräfte. Durch regelmäßige Berichte der Mitgliedsvereine über die Geschehnisse auf ihren Gebieten wurde eine bessere gegenseitige Abstimmung erreicht.
 
Fragen der technischen Gesetzgebung, der Fachschulen, des Studiums von Ausländern an den deutschen Technischen Hochschulen und die Verbesserung der technisch-wissenschaftlichen Berichterstattung in der Tagespresse standen im Vordergrund. Die schlechte Lage der technischen Berufe wurde wiederholt in Hinweisen und Vorschlägen behandelt. Denkschriften des Verbandes befassten sich mit der Reform des Höheren Schulwesens und den Berufsaussichten der Studierenden. Der Ausschuss für statistische Fragen legte eine grundlegende Denkschrift zur Wirtschaftsstatistik vor. Die Technisch-Wissenschaftliche Lehrmittelzentrale übernahm das Brüsseler Dezimalsystem für ihre Stoffeinteilung, da die wachsende Fülle des Schrifttums die Einführung eines einfachen, überall verständlichen Ordnungssystems notwendig machte. Der weiteren Verbreitung stellte sich jedoch Widerstand aus den Reihen der Bibliothekare entgegen. Hier schaltete sich der Verband auf Wunsch der Beteiligten ein. Die Klassifikationen der Lehrmittelzentrale für die einzelnen Gebiete der Technik wurden veröffentlicht und durch die Normenvertriebsstelle weiten Kreisen zugänglich gemacht. Etwa zur gleichen Zeit erscheint auch die erste Ausgabe der Illustrierten Technischen Wörterbücher, zu denen der Verband Beiträge lieferte.
 
Mit der Deutschen Gesellschaft für technische Physik und den Gesellschaften für Automobiltechnik und Flugtechnik wurden dem Verband neue Mitglieder zugeführt. Es folgten später die Deutsche Gesellschaft für Bauingenieurwesen und die Deutsche Gesellschaft für Metallkunde. Die Zeit der Krise war zu Ende. Als der Verband im Mai 1926 den zehnten Jahrestag seiner Gründung beging, hatte er 28 Mitgliedsvereine mit etwa 100.000 Einzelmitgliedern.