Das EUR-ACE-Label wird von der FEANI anerkannt
Quelle: ASIIN-Newsletter Nr. 2 / Mai 2008Seit der Einführung des professionellen Registers und des Titels Europa Ingenieur (EUR ING) im Jahr 1986 evaluiert FEANI die Ingenieurstudiengänge in den Mitgliedsländern. Dabei wird festgestellt, welche Studiengänge die FEANI-Kriterien erfüllen. Dazu wurde eine länderübergreifende Struktur - die so genannten "National Monitoring Committees" (NMCs) - aufgebaut. In Ländern, in denen Akkreditierungssysteme seit langem bestehen (wie z.B. in Frankreich, Irland und UK), arbeiten diese Committees mit nationalen Akkreditierungsagenturen erfolgreich zusammen.
Im Rahmen des Bologna-Prozesses wurde nun die Programmakkreditierung in vielen weiteren Ländern Europas eingeführt. Die nationalen Akkreditierungsagenturen kooperieren auf europäischer Ebene in unterschiedlichen Zusammenschlüssen. Das Ziel ist unter anderem die gegenseitige Anerkennung der Akkreditierungsergebnisse. Einer dieser Zusammenschlüsse ist ENAEE, in dem Akkreditierungsagenturen für Ingenieurstudiengänge einheitliche EUR-ACE-Kriterien anwenden und das so genannte EUR-ACE-Label vergeben. Dieses Label wird nun auch von FEANI anerkannt, so dass sich für Hochschulen ein neuer, direkter Weg zur Anerkennung ihrer Ingenieurstudiengänge mit Bachelor- und Master-Abschluss bei FEANI eröffnet.
Wer ist FEANI?
Die FÉDÉRATION EUROPÉENNE D'ASSOCIATIONS NATIONALES D'INGÉNIEURS (FEANI) ist ein Zusammenschluss von nationalen Ingenieurverbänden aus 29 europäischen Ländern. Sie wurde 1951 gegründet. Deutsche Ingenieurverbände, organisiert unter dem Dach des DVT (Deutscher Verband technisch-wissenschaftlicher Vereine), gehören zu den Gründungsmitgliedern.
Das Hauptziel der FEANI ist die gegenseitige Anerkennung von Ingenieurqualifikationen in den Mitgliedsländern und darüber hinaus. FEANI geht dabei von der Qualifikation eines "professionellen Ingenieurs" aus. Dank seiner anerkannten Ingenieurausbildung und der anschließenden Berufserfahrung soll er in der Lage sein, den Ingenieurberuf selbständig, verantwortungsbewusst und grenzüberschreitend auszuüben.
Ingenieure, die diese Voraussetzungen erfüllen, können den Erwerb des professionellen Titels Europa Ingenieur (EUR ING) und die Eintragung in das FEANI-Register der Europa Ingenieure beantragen. Die akademische Voraussetzung für die Registrierung ist der Abschluss eines von FEANI anerkannten Ingenieurstudiums. Die anerkannten Studiengänge werden im FEANI-INDEX geführt. Der FEANI-INDEX enthält zurzeit 10.650 Ingenieurstudiengänge von 1.000 Hochschulen.
Die Entscheidung über die Aufnahme von Studiengängen in den INDEX und die Eintragung von Bewerbern in das EUR ING-Register erfolgt auf zwei Ebenen. Die Anträge werden zunächst national im zuständigen National Monitoring Committee (in Deutschland NMC DE) geprüft und bei positivem Ausgang an das European Monitoring Committee (EMC) in die FEANI-Zentrale in Brüssel weitergeleitet. Dort wird die endgültige Entscheidung getroffen (weitere Infos unter www.feani.org).
Traditionelle Aufnahme-Kriterien für den INDEX
Die Kriterien für die Aufnahme von Studiengängen in den INDEX sind im Wesentlichen die von FEANI definierten fachorientierten inhaltlichen Anforderungen an einen Ingenieurstudiengang. Sie wurden als Input-orientierte curriculare Vorgaben definiert. Maßgebend für die Entscheidung ist somit die inhaltliche Analyse des Curriculums nach Fächergruppen. Weitere Kriterien betreffen die Struktur des Studienganges. Sie stehen im Einklang mit den EU-Richtlinien für die gegenseitige Anerkennung von Studienabschlüssen zum Zwecke der grenzüberschreitenden Berufsausübung. So wird z.B. eine Mindeststudiendauer von 3 Jahren (Regelstudienzeit) als Grundvoraussetzung für die Anerkennung definiert.
Die FEANI-Mindeststandards für das Curriculum eines Ingenieurstudienganges mit dem ersten berufsbefähigenden Abschluss (Bachelor, Diplom) fordern folgende Anteile für einzelne Fächergruppen:
- mathematisch-naturwissenschaftliche Grundlagenfächer mindestens 20%,
- ingenieurwissenschaftliche Fächer mindestens 60% bei Regelstudienzeit 3 Jahre bzw. mindestens 50% bei Regelstudienzeit 4 und mehr Jahre,
- nicht-technische (übergreifende) Lehrveranstaltungen mindestens 10%,
- Mathematik (inklusive der Mathematikanteile in anderen Lehrveranstaltungen) mindestens 24 ECTS (oder mehr).
In konsekutiven Masterstudiengängen muss die Summe der mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagenfächer und der ingenieurwissenschaftlichen Fächer mindestens 70% betragen.
Neue Aufnahme-Kriterien
Im Jahr 2004 startete FEANI in Zusammenarbeit mit Akkreditierungsagenturen aus zahlreichen europäischen Ländern das EUR-ACE-Projekt. Das Ziel war, neue europäische Outcome-orientierte Akkreditierungskriterien für Ingenieurstudiengänge zu entwickeln. Die daraus resultierenden "EUR-ACE-Framework Standards for Accreditation of Engineering Programmes" wurden 2006 veröffentlicht. Sie kommen nun für die Bewertung von Ingenieurstudiengängen zur Aufnahme in den FEANI-INDEX als Alternative zu tradierten Input-orientierten Kriterien zur Anwendung. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit nationalen Akkreditierungsagenturen, die sich auf europäischer Ebene im "European Network for Accreditation of Engineering Education" (ENAEE) zusammengeschlossen haben. Agenturen, die sich für die qualifizierte Durchführung von EUR-ACE-Akkreditierungen als befähigt erwiesen haben, erhalten von ENAEE das Recht, das so genannte EUR-ACE-Label zu vergeben. Die aktuelle Liste der Studiengänge mit dem EUR-ACE-Label kann in der ENAEE-Website (erreichbar über: www.enaee.eu) eingesehen werden.
Inzwischen konnte FEANI den Kompatibilitätstest beider Anerkennungsverfahren erfolgreich abschließen. Es kann davon ausgegangen werden, dass das neue Anerkennungsverfahren in absehbarer Zeit das tradierte Verfahren verdrängen wird. Die Voraussetzung ist, dass im betreffenden FEANI-Land ein gut funktionierendes Akkreditierungssystem für Ingenieurstudiengänge vorhanden ist. Dies ist gegenwärtig in Deutschland und fünf weiteren europäischen Ländern der Fall.
Anwendung von EUR-ACE-Kriterien in Deutschland
Die deutsche Sektion des FEANI-INDEX listet zurzeit 1.681 Ingenieurstudiengänge von 143 Universitäten und Fachhochschulen. Hier handelt es sich fast ausschließlich um Diplomstudiengänge, die in den letzten 20 Jahren erfasst wurden. Sie wurden durch das NMC DE nach Input-orientierten Kriterien evaluiert und nach einer weiteren Überprüfung und Bestätigung durch das EMC in den INDEX eingetragen. Auch wenn Diplomstudiengänge im Zuge der Umstellung auf die Bachelor- und Master-Struktur eingestellt werden, bleiben sie im INDEX weiterhin dokumentiert. Die Absolventen dieser Studiengänge können so nachweisen, dass ihre Ausbildung von FEANI anerkannt ist, auch wenn sie die Registrierung erst später beantragen.
Das im Rahmen des Bologna-Prozesses eingeführte Akkreditierungssystem in Deutschland für neue Studiengänge mit Bachelor- und Masterabschluss hat sich mittlerweile gut etabliert. Dabei hat sich insbesondere ASIIN von Anfang an auf die Akkreditierung von Ingenieurstudiengängen spezialisiert und dazu schon frühzeitig Outcome-orientierte Kriterien entwickelt und in den Akkreditierungsverfahren angewendet. Als aktiver Partner im EUR-ACE-Projekt und Gründungsmitglied von ENAEE ist es ASIIN gelungen, sich als eine der ersten Akkreditierungsagenturen in Europa für die Vergabe des EUR-ACE-Labels zu qualifizieren (siehe den ASIIN Newsletter Nr. 1 vom Dezember 2007). Damit erfüllt sie voll die Kriterien für Zusammenarbeit, die FEANI an eine Akkreditierungsagentur stellt.
In der nächsten Zeit steht die deutsche Sektion des FEANI-INDEX vor einer großen Aktualisierungswelle. Die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge, die im Rahmen des Bologna-Prozesses in großer Zahl eingeführt werden, müssen mit Blick auf die Aufnahme in den INDEX evaluiert werden. Das NMC DE hat dazu im Einklang mit dem EMC und in Zusammenarbeit mit ASIIN folgendes Verfahren beschlossen:
- das NMC DE erhält regelmäßig von ENAEE die Meldung über die deutschen Studiengänge, die das EUR-ACE-Label erhalten haben,
- ASIIN stellt dem NMC DE die erforderlichen Informationen zu den betreffenden Studiengängen zur Verfügung,
- das NMC DE prüft die Unterlagen, trifft die Entscheidung und meldet bei positivem Ausgang dem EMC die Freigabe für die Aufnahme des Studienganges in den INDEX.
Schlussfolgerung
Das neue Anerkennungsverfahren für Ingenieurstudiengänge mit Bachelor- und Master-Abschluss bringt Vorteile für die deutschen Hochschulen und deren Ingenieurabsolventen.
Wer als Bachelor oder Master in den Genuss der europäischen Anerkennung durch das EUR ING-Konzept der FEANI kommen will, sollte sich bei FEANI als Europa Ingenieur registrieren lassen. Das geht aber nur, wenn sein Studiengang von FEANI anerkannt und im FEANI-INDEX gelistet ist. Der Erwerb des EUR-ACE-Labels eröffnet den Hochschulen den direkten Weg in den INDEX. Der Aufwand eines weiteren Verfahrens (Erstellung der Antragsunterlagen, zusätzliche Evaluierung durch das NMC DE) wird dadurch vermieden.
Hochschulen, die Wert darauf legen, dass ihre Ingenieurabsolventen die europäische Anerkennung über FEANI erhalten, kann nur empfohlen werden, zusätzlich zur nationalen Programmakkreditierung die Vergabe des EUR-ACE-Labels anzustreben. Die Aufnahme ihres Ingenieurstudienganges in den FEANI-INDEX wird dadurch automatisch in die Wege geleitet.
Dr. Kruno Hernaut
Vorsitzender des FEANI NMC DE



