Parlamentarischer Abend des DVT: Qualitätssicherung führt Medizintechnik zum Erfolg – Paradigmenwechsel notwendig
Berlin, 26. April 2007Das Thema „Perspektiven der Medizintechnik“ hat der Vorstand des DVT auf dem ersten Parlamentarischen Abend im Jahr 2007 mit Bundestagsabgeordneten diskutiert. Drei Experten schilderten zunächst aus ihrer Sicht die Rahmenbedingungen erfolgreicher Planung und Weiterentwicklung von Methoden und Verfahren in der Medizintechnik.
Dr. Jürgen Varwig, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Qualität e.V. (DGQ), rückte den Gedanken des Qualitätsmanagements (QM) in den Vordergrund und forderte, Vorgehens- und Verhaltensweisen im Sinne von QM auch im Gesundheitswesen anzuwenden. Denn die Ziele qualitätsorientierter Wirtschaftsunternehmen seien auf den Medizinbereich übertragbar: Wenn Leistungen möglichst fehlerfrei und wirtschaftlich erbracht würden, führe das zu einer Verbesserung der Patientenversorgung und schaffe effiziente und effektive Strukturen. Zur Realisierung dieser Übertragung sei aber ein tief greifender Paradigmenwechsel notwendig, der die alte Mentalität („der gehorsame Patient“) in Frage stelle und Barrieren überwinde.
Mit der Effizienz der Leistungserbringung beschäftigte sich auch Prof. Harald Korb, Vertreter des VDE und Ärztlicher Direktor der Personal Health Care Telemedicine Services GmbH. Er wies nach, dass Telemedizin die Kosten pro Patient senken und gleichzeitig die Erfolgsrate steigern könne. Patienten und Ärzte hätten sich zudem überzeugt gezeigt, dass Telemedizin ihnen schnellere Hilfe und bessere Betreuung biete. Telemedizin sei daher „ein neuer Weg, den man gehen und ausbauen“ müsse, so Korb. Abschließend betonte er die Bedeutung der Qualitätssicherung für die Akzeptanz und Durchsetzbarkeit der Telemedizin. Im Sinne des Patientenwohls und der Absicherung der Mediziner sei diese unverzichtbar.
Im letzten Vortrag stellte Prof. Bernd Radig als Vertreter der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) dar, wie kognitive medizintechnische Systeme zur Integration von Therapie und Diagnose genutzt werden können. Der Leiter des Lehrstuhls für Bildverstehen und Wissensbasierte Systeme der TU München plädierte dafür, das gesamte Wissenspotenzial für spezifische therapeutische Handlungen nutzbar zu machen, indem einerseits moderne, weiterentwickelte Methoden der Informatik zur Anwendung kommen. Andererseits forderte er eine enge Zusammenarbeit von Medizinern und Informatikern und eine konsequente Qualitäts- und Erfolgskontrolle zur weiteren Unterstützung der Diagnose. Radig selbst bezeichnete die „visionäre Innovation“ von der Überwindung der Trennung von Diagnose und Therapie als „Theragnostik“ (Therapie plus präinterventionelle sowie intraoperative Diagnostik).
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