Mitteleuropäische Gruppe der FEANI trifft sich in Polen
In Rydzyna (Polen) hat sich die Mitteleuropäische Gruppe der FEANI Ende August zu ihrer alljährlichen Sitzung getroffen. Das Treffen diente zur Vorbereitung der FEANI-Generalversammlung Anfang Oktober in Valencia (Spanien) und deckte thematisch daher im wesentlichen deren Tagesordnungspunkte ab.Im Mittelpunkt stand die Information der Teilnehmer über den FEANI-Strategieplan und das Projekt ENGCARD. Mit letzterem strebt die FEANI eine europaweite Anerkennung von akademischen Qualifikationen an. Dazu führt sie derzeit eine Machbarkeitsstudie im Auftrag der EU-Kommission durch, die zeigen soll, ob und unter welchen Bedingungen eine Engineering bzw. Professional Card zu realisieren ist. Die FEANI-Mitgliedsländer zeigten sich in der Sitzung uneins, ob eine Karte, die nur schwach in einer Direktive der EU verankert ist, einen derartigen finanziellen und personellen Aufwand lohnt. Darüber hinaus gab es Stimmen, die sich eher für eine Stärkung des existierenden EUR ING-Konzepts aussprachen und bezweifelten, dass die ENGCARD gegenüber dem EUR ING Vorteile bringe. In Deutschland würde die Karte kaum unter 300 Euro abgegeben werden können, während das Potenzial mit 500 bis 2000 Anträgen pro Jahr überschaubar bliebe. Entscheidend dürfte aber sein, welche rechtliche Bindungswirkung die Karte entfalten kann, weil davon der Nutzen für die Besitzer abhängen wird. Dies kann jedoch erst nach Einführung der Karte beurteilt werden.
FEANI-Generalsekretär Philippe Wauters brachte die Vertreter aus diesmal fünf Ländern (Deutschland, Österreich, Schweiz, Tschechien und Polen) auch beim Thema EUR ACE auf den neuesten Stand. Die Umsetzung einheitlicher Akkreditierungsstandards für Ingenieurstudiengänge in Europa durch ein Netzwerk von nationalen Agenturen (ENAEE) hat inzwischen begonnen, allerdings wurde noch kein Studiengang abschließend akkreditiert. Darüber hinaus haben Großbritannien und Irland die Implementation der Standards überraschend ausgesetzt, was den Prozess allgemein ins Stocken gebracht hat.
Kontrovers diskutiert wurde im Vorfeld der Beratungen in Valencia auch die FEANI-Initiative für ein position paper zum Thema "Energie". Während die deutsche Seite die wesentliche Kompetenz der FEANI in Fragen der Ingenieurausbildung und Anerkennung von beruflichen Qualifikationen sieht, schätzen andere Mitglieder es als FEANI-Aufgabe ein, technische Fragen von allgemeiner gesellschaftlicher Relevanz zu beantworten und die Position der europäischen Ingenieursvereine offensiv gegenüber der EU-Kommission darzustellen. Ein weiteres position paper zum Problem des derzeitigen Ingenieurmangels wurde einheitlich begrüßt. Deutschland kündigte dazu einen Artikel über die Beschlüsse der Bundesregierung zur Änderung des Zuwanderungsgesetzes für die nächsten FEANI-News an (wird an DVT-Mitglieder versandt).
Schließlich konnten sich mit Peter Reichel (AT) und Reinhard Wiederkehr (CH) zwei Kandidaten für die FEANI-Ämter als Schatzmeister und Board-Mitglied den Sitzungsteilnehmern persönlich vorstellen. Die Vertreter Belgiens, der Slowakei, Ungarns, Sloweniens und der Niederlande waren nicht nach Rydzyna gekommen, werden aber durch das Netzwerk der Mitteleuropäischen Gruppe von den Ergebnissen der Sitzung informiert.
Bericht: Jörg Maas


