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Parlamentarischer Abend des DVT: Experten betonen Nachholbedarf in der Sicherheitsforschung

Berlin, 29. November 2006
 
Der DVT hat mit Bundestagsabgeordneten aller Fraktionen die Bedeutung der Sicherheitsforschung und die daraus abgeleiteten nationalen Anforderungen in Safety und Security erörtert. Anlässlich seines zweiten Parlamentarischen Abends in 2006 stellte der DVT drei Themenbereiche der aktuellen Sicherheitsforschung zur Diskussion.
 
Prof. Ernst Mayr, Vizepräsident der Gesellschaft für Informatik, schilderte in seiner Einführung zunächst die aktuellen Entwicklungen und das Potenzial der Grundlagenforschung im Bereich Sicherheit. Er erläuterte Probleme sicherheitsrelevanter Technologien und kam zu dem Schluss, dass diese künftig modular aufgebaut werden müssten, um neuesten Anforderungen gerecht zu werden. Bei bekannten kryptographischen Verfahren forderte er eine Aufdeckung der bisherigen Schwachstellen, damit diese künftig vermieden werden könnten. Insgesamt müsse die Sicherheitsforschung und ihre Verfahren Schritt halten können mit sich weiter entwickelnden Technologien.
 
Im zweiten Themenblock referierte Dr. Werner Wilke, Geschäftsführer der VDI/VDE – Innovation + Technik GmbH Berlin, über die Bedeutung von Safety und Security für den Mittelstand. Er beleuchtete einerseits die Synergien zwischen militärischen und zivilen Anwendungen, und fragte andererseits nach der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Sicherheitsindustrie. Wilke betonte besonders die Notwendigkeit einer „Europäischen Strategie“ in der Sicherheitsforschung, die unter anderem eine stärkere Betonung der Persönlichkeitsrechte und eine weiter greifende Abgrenzung zwischen militärischer und ziviler Forschung umfasse. Dem Staat, so Wilke, komme als Beschaffer bzw. Nachfrager eine „Schrittmacherrolle“ für die Sicherheit zu, während sich für die kleinen und mittleren Unternehmen der Sicherheitsindustrie ein wachsendes Marktpotenzial eröffne.
 
Als letzter Redner charakterisierte der stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft für Datenschutz und Datensicherheit, Dr. Peter Münch, den Datenschutz als integralen Bestandteil zukunftssicherer Anwendungen. Gerade deshalb müsse der Datenschutz bei sicherheitstechnischen Applikationen immer wieder eingefordert und nicht zuletzt bei Systembetreibern durchgesetzt werden. Sofern sich die Informationsgesellschaft immer mehr in Richtung „allgegenwärtiger Datenverarbeitung“ (ubiquitous computing) entwickle, müsse sich der Staat besonders um das „informationelle Selbstbestimmungsrecht“ der Bürger kümmern, forderte Münch. Dies könne beispielsweise durch bessere Information der Bürger über ihre Rechte und über die Förderung eigener Schutzmöglichkeiten geschehen.
 
Pressemitteilung als PDF
 


Die Referenten

v.l.: Wilke, Christ, Mayr, Münch (Foto: DVT)




Mitglieder des DVT-Vorstandes diskutieren das Thema "Sicherheitsforschung" (Foto: R. Henkel)